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Wirtschaftslage im Handwerk: Stagnation nach Erholung
Wirtschaftslage im Handwerk: Stagnation nach Erholung
Neuss, 10.03.2005
Die Wirtschaftslage im Handwerk zu Beginn des Jahres 2005 könnte man mit „von der Erholung in die
Stagnation“ beschreiben. Gaben sich die Betriebe im Frühjahr 2004 noch hoffnungsvoll, treten die Bewertungen nun
auf der Stelle. Auffällig aber: Die Wirtschaftslage in Ostdeutschland kippt in vielen Bereichen ins Negative. Von der
Annäherung der beiden Landesteile in den letzten Jahren ist weniger zu spüren.
Eine geringere Anzahl von Unternehmen als noch vor einem Jahr bezeichnet ihre Geschäftssituation mit sehr gut und
gut: Jedes fünfte Unternehmen (20,4 Prozent; Vorjahr: 21,2 Prozent) vergibt die Noten sehr gut und gut. Am unteren Ende
der Skala gab es hingegen leichte Verbesserungen: 20,0 Prozent der Befragten bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage mit
mangelhaft und ungenügend. Im Frühjahr 2004 waren es noch 20,9 Prozent. Der Saldo aus guten und schlechten Bewertungen
verbesserte sich also leicht um 0,1 Prozentpunkte auf 0,4 Prozent. Die Ergebnisse aus den beiden Landesteilen weisen
allerdings in verschiedene Richtungen: Während es im Westen mehr Betriebe gibt, die ihre Geschäftssituation mit sehr
gut und gut benoten (2004: 21,2 Prozent; 2005: 21,7 Prozent), rutschten die Bewertungen in den neuen Bundesländern ab:
Nur noch 17,1 Prozent der Befragten dort vergeben gute Noten, im Frühjahr 2004 waren es noch 20,9 Prozent.
Mehr Betriebe verbuchen ein Umsatzplus
Ebenfalls jedes fünfte Unternehmen aus dem Handwerk (20,8 Prozent) kann im Frühjahr 2005 auf steigende Umsätze
verweisen. Vor einem Jahr waren es noch 17,1 Prozent. Die Zahl der Betriebe mit rückläufigen Umsätzen stagniert auf
einem Niveau von 35,0 Prozent. Ebenso wie bei der Geschäftslage gehen die Bewertungen in Ost- und Westdeutschland
auseinander. 22,2 Prozent der Befragten (Vorjahr: 17,8 Prozent) in den alten Bundesländern konnten mehr Umsatz
erwirtschaften und ein gutes Drittel (33,9 Prozent; Vorjahr: 35,5 Prozent) musste sinkende Umsätze hinnehmen. Im Osten
stieg zwar die Zahl der Betriebe, die Umsatzsteigerungen verbuchten von 15,3 Prozent auf 17,1 Prozent an – ebenso
legten aber auch die Unternehmen zu, die sinkende Umsätze verkraften mussten, und zwar deutlich um 4,5 Prozentpunkte
auf 38,1 Prozent, so dass der negative Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Umsätzen in Ostdeutschland von minus 18,3
auf minus 21 Prozent stieg.
Höhere Angebotspreise konnten 18,0 Prozent der Befragten durchsetzen – 6,4 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.
Jeder Vierte (25,0 Prozent) musste seine Angebotspreise senken, was einem Rückgang von 2,5 Prozentpunkten im
Jahresverlauf entspricht.
Keine Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt
Der Saldo aus Personaleinstellungen und -entlassungen verschlechterte sich im Jahresverlauf um 0,5 Prozentpunkte und
liegt aktuell bei minus 20,4 Prozent. 14,6 Prozent (Vorjahr: 14,0 Prozent) der Befragten konnten im vergangenen halben
Jahr ihren Personalbestand aufstocken, 35,0 Prozent mussten sich von Mitarbeitern trennen. Auch hier verzeichnet der
Osten eine Verschlechterung der Situation (2005:10,7 Prozent Mehreinstellungen; 2004: 15,7 Prozent;
Personalverkleinerungen 2005: 40,0 Prozent; 2004: 33,8 Prozent) und der Westen eine Verbesserung (Mehreinstellungen
2005: 16,1 Prozent; 2004: 13,4 Prozent; Personalverkleinerungen: 2005: 33,1 Prozent; 2004: 33,9 Prozent).
Pessimistische Zukunftsaussichten
Die Umsatzerwartungen für das kommende halbe Jahr sind von Zurückhaltung geprägt: Es stagniert die Zahl der
Handwerksbetriebe gegenüber dem Vorjahr, die auf höhere Umsätze hoffen bei 18,8 Prozent, allerdings befürchten
geringfügig mehr Betriebe als im Vorjahreszeitraum den Einbruch ihrer Umsätze, nämlich 26,6 Prozent im Vergleich zu
23,6 Prozent im Frühjahr 2004. Die Ertragserwartungen haben sich allerdings nach unten entwickelt: Hofften im
vergangenen Frühjahr noch 18,1 Prozent der Befragten auf steigende Erträge, sind es aktuell nur noch 17,2 Prozent. Und
32,9 Prozent rechnen mit sinkenden Gewinnen, was einem Zuwachs von 2,7 Prozentpunkten im Jahresverlauf entspricht. Am
dürftigsten sind die Ertragserwartungen des Bau- und Ausbaugewerkes: Nur noch 14,9 Prozent (Vorjahr: 15,4 Prozent) der
Handwerksbetriebe dieses Bereichs rechnen mit steigenden Erträgen, aber 35,9 Prozent (Vorjahr: 33,6 Prozent) befürchten
sinkende. Damit liegt der Saldo aus Ertragssteigerungen und -rückgängen mit minus 21,0 Prozent tief im roten
Bereich.
Die Angaben zur künftigen Personalsituation haben sich hingegen hauchdünn verbessert: 0,3 Prozent mehr Betriebe als im
Frühjahr 2004 wollen ihren Personalbestand vergrößern, und 0,1 Prozent weniger planen, sich von Mitarbeitern zu
trennen.
Die Investitionsbereitschaft im Handwerk hat zugenommen. Mittlerweile 44,4 Prozent der Unternehmen möchten investieren,
vor einem Jahr waren es noch 39,7 Prozent. Während aber die Betriebe in Westdeutschland vermehrt Investitionen planen
(2005: 45,6 Prozent; 2004: 38,7 Prozent), ging die Zahl der investitionsbereiten Betriebe in Ostdeutschland zurück, und
zwar von 42,3 Prozent im Frühjahr 2004 auf aktuell 41,0 Prozent. Immer noch überwiegen die Ersatzinvestitionen: 66,6
Prozent (2004: 64,6 Prozent) der Unternehmen möchten in neue Maschinen u. ä. investieren, aber nur 34,8 Prozent
(Vorjahr: 34,3 Prozent) in Erweiterungen.
Schnellere Zahlungen
Das Zahlungsverhalten sowohl der privaten Kunden des Handwerks als auch der Städte und Gemeinden hat sich verbessert,
wenngleich private Auftraggeber immer noch deutlich schneller zahlen als öffentliche. 78,6 Prozent (Vorjahr: 73,6
Prozent) der privaten Kunden zahlen fristgerecht innerhalb eines Monats ihre Rechnung. Mehr als 90 Tage lassen sich nur
0,7 Prozent (2004: 1,4 Prozent) Zeit. Von den öffentlichen Kunden des Handwerks begleichen 60,0 Prozent (Vorjahr: 56,8
Prozent) innerhalb von 30 Tagen ihre Rechnung – 4,1 Prozent lassen sich mehr als drei Monate Zeit, was einem
Rückgang von 0,3 Prozentpunkten entspricht.
Auch die Zahl der hohen Forderungsverluste von mehr als einem Prozent im Verhältnis zum Umsatz ist rückläufig, und zwar
um 2,6 Prozentpunkte (von 27,7 Prozent im Frühjahr 2004 auf aktuell 25,1 Prozent). 10,0 Prozent der Befragten hatten im
vergangenen Jahr keine Forderungsverluste zu beklagen, 2004 waren es noch 8,3 Prozent.
4.600 Unternehmensinsolvenzen im Handwerk
Die Zahl der Insolvenzen im Handwerk stieg stärker an als im Unternehmensdurchschnitt in Deutschland. 4.600 Konkurse
waren 2004 zu beklagen, was einer Steigerung von 4,5 Prozent oder 200 betroffenen Firmen entspricht. In Deutschland
mussten 39.600 Unternehmen den Gang zum Insolvenzgericht antreten, 0,3 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. Jede
Insolvenz verursacht Forderungsverluste auf Seiten der Gläubigerunternehmen. Im Jahr 2004 mussten 51,9 Prozent der
befragten Handwerksunternehmen Forderungsverluste hinnehmen, weil ein Kunde Insolvenz angemeldet hatte. Allerdings
verringerte sich dieser Wert im Jahresverlauf um 6,4 Prozentpunkte geringfügig. Verringert hat sich auch die Zahl der
Betriebe, die über eine Eigenkapitaldecke von weniger als 10 Prozent im Verhältnis zur Bilanzsumme verfügen, und zwar
von 39,7 auf 39,2 Prozent im Jahresverlauf. Gestiegen ist dagegen die Zahl der ausreichend kapitalisierten Betriebe
(mehr als 30 Prozent Eigenkapital im Verhältnis zur Bilanzsumme).
Neue Handwerksordnung und Ausbildungspakt
Die Handwerksnovelle ist seit mehr als einem Jahr in Kraft und erntete im Vorfeld einiges an Kritik. Die Creditreform
Wirtschafts- und Konjunkturforschung wollte wissen, welche Erfahrungen die Betriebe bislang mit dem neuen Gesetz
gemacht haben. Die Mehrheit der Handwerksunternehmen (40,5 Prozent) konnte keine Veränderung in seinem Umfeld
wahrnehmen. Für 27,0 Prozent nahm der Konkurrenzdruck merklich zu. 13,0 Prozent sind der Ansicht, dass die
Ausbildungsqualität unter dem neuen Gesetz leide und immerhin 8,9 Prozent haben schon von unzufriedenen Kunden, 5,7
Prozent gar von Insolvenzen gehört. Die Akzeptanz der Handwerksnovelle erhöhte sich im Jahresverlauf. Lehnten vor einem
Jahr noch 72,0 Prozent das Gesetz ab, sind es mittlerweile nur noch 65,5 Prozent.
Der Ausbildungspakt, den die Wirtschaft mit der Regierung für mehr Lehrstellen schloss, wird gemeinhin als Erfolg
gewertet. 2,3 Prozent der Befragten stellen seit Geltung des Paktes Auszubildende ein, 85,8 Prozent taten dies bereits
vorher und 10,2 Prozent ist der Ausbildungspakt unbekannt. Der Eindruck, den die Lehrlinge hinterlassen, ist
überwiegend positiv: 34,6 Prozent der befragten Handwerksbetriebe geben an, die Azubis würden interessierter an der
Ausbildung sein. Nur 9,0 Prozent bemängeln eine schwache Qualifikation und 7,7 Prozent Desinteresse an der Ausbildung.
Trotz des Erfolges des Ausbildungspaktes sind 62,9 Prozent der Unternehmen der Auffassung, dass das Abkommen die
bestehenden Ausbildungsplatzprobleme nicht zu lösen vermag. Nur 16,9 Prozent sehen im Ausbildungspakt eine Chance für
die Jugend.
Zu den Grafiken und der vollständigen Analyse
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