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News vom 28.06.05
Unternehmensinsolvenzen rückläufig
Unternehmensinsolvenzen rückläufig - Verbraucherinsolvenzen mit starken Steigerungen
Neuss, 28.06.2005
Unternehmensinsolvenzen auch in Westdeutschland rückläufig
Das Insolvenzgeschehen im 1. Halbjahr 2005 ist von zwei gegenläufigen Entwicklungen gekennzeichnet: Während die
Unternehmensinsolvenzen mit 18.700 Fällen einen Rückgang um 6,2 Prozent zeigen (1. Halbjahr 2004: 19.930
Unternehmensinsolvenzen), legen die Verbraucherinsolvenzen 33,5 Prozent zu (29.200; 1. Halbjahr 2004: 21.870). Den
Verbraucherinsolvenzen sind noch die sonstigen Privatinsolvenzen zuzurechnen. Hier handelt es sich um überschuldete
Nachlässe oder Konkurse ehemals Selbstständiger. 14.700 Insolvenzanträge sind in diesem Bereich privater Insolvenz zu
registrieren. Dies ist ein Rückgang um 2,3 Prozent gegenüber den 15.050 Insolvenzanträgen des 1. Halbjahres 2004. Die
Zahl der Gesamtinsolvenzen beträgt insgesamt 62.600 Fälle – 10,1 Prozent mehr als im Vorjahr (56.850).
Zum ersten Mal seit dem Jahre 2000 verzeichnen auch Westdeutschlands Unternehmen einen Rückgang der Insolvenzen.
14.300 Insolvenzanträge von Unternehmen ergeben für die erste Jahreshälfte 2005 Abschwächungen von 6,0 Prozent
gegenüber dem Vergleichszeitraum 2004. Während die Verbraucherinsolvenzen im Westen der Republik um 29,6 Prozent auf
23.000 Betroffene angestiegen sind (1. Halbjahr 2004: 17.750 Verbraucherinsolvenzen), melden in Ostdeutschland 50,5
Prozent - 6.200 Betroffene - mehr Verbraucher als im 1. Halbjahr 2004 ihre Zahlungsunfähigkeit an (1. Halbjahr 2004:
4.120). Die Unternehmensinsolvenzen in den neuen Bundesländern konnten gegenüber dem 1. Halbjahr 2004 mit 4.400
Insolvenzanträgen eine Verbesserung um 6,6 Prozent verzeichnen.
Kleinere Unternehmen - weniger drohende Arbeitsplatzverluste
Zwischen Unternehmens- und Privatinsolvenzen bestehen Zusammenhänge. Das Stichwort "Arbeitslosigkeit"
macht die Verbindung deutlich: Durch Unternehmensinsolvenzen gehen Arbeitsplätze verloren - der Verlust des
Arbeitsplatzes wiederum ist eine der häufigsten Gründe für die private Zahlungsunfähigkeit.
In den ersten sechs Monaten 2005 sind 269.000 Arbeitnehmer von der Insolvenz ihres Arbeitgebers betroffen. Gegenüber
322.000 Personen im Vergleichszeitraum 2004 ist dies ein Rückgang von 16,5 Prozent. Dieser Rückgang ist nicht nur der
absoluten Abnahme der Unternehmensinsolvenzen zu verdanken, sondern auch der Größe der betroffenen Unternehmen.
Kleingewerbetreibende bis 100.000 Euro Jahresumsatz haben ihren Anteil am Gesamtinsolvenzaufkommen um 1,8 Prozentpunkte
auf 19,3 Prozent vergrößert. Fast die Hälfte aller Unternehmensinsolvenzen betrifft Betriebe mit höchstens 250.000 Euro
Jahresumsatz.
Weniger Schäden als vor einem Jahr
Rund 18,8 Mrd. Euro gingen privaten und öffentlichen Gläubigern durch Insolvenzen verloren. Im ersten Halbjahr 2004
waren von den Gläubigern noch 22,7 Mrd. Euro auszubuchen. Alleine die privaten Gläubiger verlieren durchschnittlich
668.000 Euro bei einer Insolvenz - immerhin weniger als noch im ersten Halbjahr 2004 (738.000 Euro verteilt auf die
Gläubiger einer Unternehmensinsolvenz).
Insolvenzen im konjunkturellen Umfeld
Bestimmt vom konjunkturellen Umfeld einer Branche, haben sich die Insolvenzen unterschiedlich entwickelt. Während
sich das Verarbeitende Gewerbe - getrieben von einer guten Exportkonjunktur - mit einem Rückgang der
Unternehmensinsolvenzen um 14,6 Prozent am besten unter allen Wirtschaftsbereichen erholt zeigt, sieht die Lage beim
Groß- und Einzelhandel mit einer Abschwächung von nur 3,3 Prozent am schlechtesten unter allen Branchen aus. Selbst der
Bau zeigt sich verbessert (minus 6,4 Prozent). Wie krisenbehaftet dieser Bereich allerdings weiterhin bleibt, zeigt die
relative Insolvenzbetroffenheit: Mit 240 Pleiten pro 10.000 Unternehmen sind fast doppelt so viele Baubetriebe von der
Insolvenz betroffen wie der Durchschnitt aller Branchen (128 Insolvenzen pro 10.000 existente Betriebe).
... aber immer noch Großinsolvenzen
Auch wenn kleinere Betriebe das Insolvenzgeschehen in Deutschland prägen, sind im ersten Halbjahr 2005 auch große
Unternehmen von Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung betroffen. Das Augsburger Bauunternehmen "Walter Bau
AG" - immerhin der drittgrößte deutsche Baukonzern - musste ebenso Insolvenz anmelden, wie die Osnabrücker
Drogeriekette "Ihr Platz GmbH & Co. KG". Die "AgfaPhoto GmbH" kam nach dem Eigentümerwechsel
zum Insolvenzantrag. Anders als bei den vielen kleinen Mittelständlern, können bei Großinsolvenzen die Möglichkeiten
der neuen Insolvenzordnung genutzt werden. Ein zwischen allen Betroffenen abgestimmter Insolvenzplan macht es möglich,
Unternehmen zu sanieren und eine Vielzahl von Arbeitsplätzen zu erhalten. Auch insgesamt nimmt die Zahl der Insolvenzen
zu, die in ein geordnetes Verfahren überführt werden können (weniger als 40 Prozent wegen Masselosigkeit kein
Insolvenzverfahren). Es bleibt zu hoffen, dass auch die geplanten Änderungen beim Privatinsolvenzverfahren die enormen
Kosten, die durch diese Option für überschuldete Bürger zur Verfügung stehen, weniger teuer für die Allgemeinheit
machen.
Für das Gesamtjahr 2005 ist mit etwa 38.000 Unternehmensinsolvenzen, 92.000 Insolvenzen von Privatpersonen und einem
Gesamtinsolvenzaufkommen von 130.000 Fällen zu rechnen. Gegenüber den 118.260 Gesamtinsolvenzen des Jahres 2004 würde
zum Jahresende eine weitere Insolvenzhöchstmarke erreicht. Positiv sind nur die Prognosen im Hinblick auf die
(leichten) Rückgänge bei den Unternehmensinsolvenzen.
Gründungsgeschehen gebremst
Die Gründungsbilanz im ersten Halbjahr 2005 sieht dürftiger als in den Vorjahren aus: Weniger Anmeldungen von
Betrieben stehen deutlich mehr Abmeldungen gegenüber. Gut 464.200 Eintragungen erfolgten in den deutschen
Gewerberegistern - ein Rückgang von 0,8 Prozent (1. Halbjahr 2004: 468.100). Deutlich zugelegt haben die Abmeldungen
aus den Registern mit einem Plus von 9,0 Prozent (364.100; Vorjahr: 334.000). Der Saldo nahm im Zuge dieser
Veränderungen gegenüber dem Vergleichszeitraum 1. Halbjahr 2004 um 25,4 Prozent von 134.100 auf 100.100 Eintragungen
ab.
Diese Entwicklung könnte nicht zuletzt auf eine Abschwächung des Gründungsgeschehens bei den Ich-AGs zurückgehen,
für die seit November 2004 verschärfte Regeln gelten. Gründer müssen einen detaillierten Geschäftsplan vorlegen und
diesen von einer Prüfstelle auf seine Tragfähigkeit hin bestätigen lassen.
Immerhin ist die Zahl der wirtschaftsaktiven Neugründungen nur geringfügig gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen:
64.000 Betriebe sind im ersten Halbjahr 2005 entstanden (Vorjahr: 68.000).
Damit konnte auch fast die Zahl der neu geschaffenen Arbeitsplätze vom Vorjahr erreicht werden: Fast 140.000
Beschäftigte fanden einen Arbeitsplatz bei einem neu gegründeten Unternehmen - im Vergleichszeitraum waren es rund
148.000.
Stadtstaaten an der Spitze
Bezogen auf die Zahl der bereits angesiedelten Unternehmen, geben die Handelsregisterneueintragungen von Betrieben
einen Hinweis, wo regional die stärksten Gründungsaktivitäten stattfinden. An der Spitze liegen Hamburg (699 pro
10.000), Bremen (603) und Berlin (543), wenn es um die Zahl "relativer Neueintragungen" geht.
Bei den absoluten Zahlen liegen die großen Flächenländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg auf den
vorderen Plätzen. So wurden in NRW mehr als 13.000 Unternehmen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ins
Handelsregister eingetragen, in Bayern waren es mehr als 9.800 und in Baden-Württemberg über 6.000. Bemerkenswert ist
die Entwicklung im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen: Die Unternehmensinsolvenzen verzeichneten hier
mit einem Rückgang von 11,2 Prozent (5.480 Unternehmensinsolvenzen; 1. Halbjahr 2004: 6.170) einen deutlich höheren
Rückgang als der gesamtdeutsche Schnitt.
Eine steigende Zahl von Handelsregisterneueintragungen und eine fast gleich bleibende Zahl wirtschaftsaktiver
Neugründer lassen das Geschehen im ersten Halbjahr 2005 nicht im schlechtesten Licht erscheinen.
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